Auftragsmenge beim Sonnenschutz!
Auch heute noch werden uns einige Dermatologen erzählen, dass der Schutz unserer Sonnencreme, mit der Auftragsmenge, exponentiell steigt bzw. fällt.
Sonnenschutz wird bei einer Auftragsmenge von 2 mg pro cm² getestet und analysiert. Das bedeutet, ein Sonnenschutz bietet den angegeben SPF (in deutsch LSF) bei einer Auftragsmenge von 2mg/cm².
Exponentiellem Verlauf zu Folge, erreichen wir bei einem Auftrag von 1mg/cm² nicht einen SPF25, sondern einen SPF knapp über 7.
2mg/cm² sind auf mein Gesicht (plus Ohren!!!), Hals und Nacken gerechnet: 2,5g. (John Su wird Dir auf komplizierte Weise versuchen zu erklären, wie Du annähernd Deine Gesichtsoberfläche berechnen kannst.)
2.5g, die ich jeden Tag auftragen müsste, um den angegeben SPF zu erreichen. Damit müsst ich mir, bei einer regulären 50ml Tube, alle 3 Wochen eine neue besorgen.
Für die Hände und den restlichen Körper traue ich mich dann gar nicht auszurechnen, was dafür draufgehen würde.
Warum wird dann mit einer so großen Auftragsmenge getestet, fragst Du?
Unter anderem bieten 2mg/cm² verlässlichere Ergebnisse, als geringere Auftragsmengen. Ich gehe allerdings davon aus, dass es noch mehr Gründe für diese Vorschrift gibt.
Woher rührt aber die Aussage, der SPF würde exponentiell zur Auftragsmenge verlaufen und sollten wir uns immer noch daran orientieren?
The Wrong Relation Study
Faurschou und Wulf haben in ihrer Studie von 2007 einen exponentiellen Verlauf in Relation zur Auftragsmenge festgestellt.
In ihrem Experiment haben sie jedoch eine UVB Lampe verwendet. Das ist wichtig, denn SPF=UVB ist nicht ganz korrekt. Der SPF sagt uns um welches Vielfaches er unsere Eigenschutzzeit vor einem Sonnenbrand erhöht. In die Entstehung des Sonnenbrandes spielt, auch noch zu einem guten Teil, die UVAII - Strahlung rein. Man benötigt Filter, die über den UVB Bereich hinaus wirken, möchte man ein Präparat mit SPF > 11 herstellen.
Verwendet wird zudem nur ein SPF4 und ohne realistischen Simulator, wie es der Fall hier ist, lassen sich die Ergebnisse nicht auf die Realität übertragen.
Aber, aber ... ?!
Sergio Schalka hat aufgrund der Tatsache, dass man sich nicht einig wird, ob der SPF nun linear oder exponentiell fällt, eine Studie (Seine erste Veröffentlichung.) durchgeführt.
In dieser Studie haben 40 Teilnehmer, aufgeteilt in zwei Gruppen (SPF15 und 30), zwei Sonnencremes mit denselben Filtern in unterschiedlichen Konzentrationen, mit verschiedenen Mengen aufgetragen.
Das Resultat ist, dass sich der SPF exponentiell zur Auftragsmenge verhält. Anhand folgendes Graphen, können wir ablesen, der exponentielle Verlauf ist dichter an linearem Verlauf, als an dem häufig durch Dermatologen und Co. verbreitetem, stärker exponentiellem Verlauf. Diesen habe ich zum Vergleich als roten Graphen in die Grafik eingefügt.
Für einige unter Euch, ist mit Sicherheit auch die Sorge um den UVA-Wert größer, da dieser eh geringer ausfällt in 99,9% der Sonnecremes. Gute Nachricht: Der kleinere UVA-Wert (UVA-PF) fällt nicht einmal in Relation so stark wie der höhere SPF, bei geringerer Auftragsmenge. Darüber habe ich bereits in dem Artikel 'Die Waage des Sonnenschutzes' geschrieben. Auch wenn Grafiken uninteressant und abschreckend sein können, ist es ein Blick Wert sich diese einmal genauer anzuschauen.
Clinique City Block SPF 25
Der City Block wird bei halber Auftragsmenge von SPF 25 noch ca. einen SPF 12 erreichen. Der UVA-PF wird dabei von ~3 auf ~2 absinken, fällt somit 'nur' um ca. 33%.
In der Studie der German Cosmetics Society und der von Neutrogena beauftragten Studie werden lineare Relationen festgestellt. So erreicht der SPF 70 bei 0,5mg/cm² noch einen SPF 19 und der SPF 100 einen SPF 27. Gegen der Erwartung liegt dies sogar leicht über einem linearem Verlauf.
Die Testergebnisse spielen Neutrogena nun sehr gut in die Karten, da diese Firma Sonnencremes mit bis zu SPF 100 verkauft. Wobei uns Agata bereits lehrte, dass firmeneigene Studien durchaus zu mehr als nur Vermarktung fähig sein können. Sich bei eigener Recherche, aber bitte die eigene Offenheit bewahren. Solltest Du nach einem Wunschergebnis suchen, wird es nicht schwer, einen Beleg dafür zu finden. Unabhängig davon, wie (un)verlässlich jenes wäre.
Auch in dieser Studie von Stenberg und Larko, ließ man freiwillige Teilnehmer Sonnencremes auftragen. Dabei trugen sie im Schnitt die Sonnencreme in einer Dicke von 1mg/cm² auf und erhielten 50% des angegebenen Schutzes. Diese Studie zeigt ebenso lineare Relationen auf.
Schlussendlich?
Sonnenschutz in geringeren Mengen als 2mg/cm² aufzutragen ist nicht so schlimm, wie immer noch von 'Experten' auf seriösen Webseiten verbreitet. Dabei gilt immer noch, auf gute Sonnencremes zurückzugreifen und eine großzügige Menge aufzutragen, um einen angemessenen Schutz zu erreichen.
Einfach erreichbar ist das, indem man Sonnenschutz in zwei Schichten aufträgt. Dabei werden die UV-Filter noch besser auf der Haut verteilt, welches unglaublich wichtig ist, um effektiv vor der Sonne geschützt zu sein.
Da wir mit Schutz vor UVB - Strahlung meist ausreichend gedeckt sind, möchte ich zum Schluss Agata's Beitrag zum Sonnenschutz-Kauf in Erinnerung rufen. Ein guter UVA - Schutz kompensiert Auftragsmenge.
Im Alltag ist es nicht notwendig über einen SPF oder UVA - PF von 15 hinauszugehen, den es aber dann auch erst zu erreichen gilt.
Liegt der UVA-PF bei 2mg/cm² schon unter 10, würde ich davon nichts durch die Auftragsmenge verlieren wollen...
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